Iran
Atom-Bericht schreckt die Welt auf

Bislang hat der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad gegenüber dem Westen vor allem auf Hinhaltetaktik gesetzt. Irans Präsident hatte Anfang Februar erst seinen Außenminister Mottaki zur Münchner Sicherheitskonferenz geschickt, um ihn unkonkret daherschwadronieren zu lassen. Danach ließ Ahmedinedschad die Urananreicherung forcieren, deren Einstellung die Atomenergiebehörde der Vereinten Nationen (IAEO) seit 2003 vergeblich fordert.
Nach diesem Doppelschlag iranischer Zickzack-Diplomatie hat US-Präsident Barack Obama die ausgestreckte Hand zurückgezogen. Selbst Russland, das seit 1995 einen Reaktor in Buschehr baut, ist verstimmt. Verschärfte Sanktionen im UN-Sicherheitsrat gegen Teheran sind so nah wie nie.
Die Achse der Besorgten ist lang. Neben der EU und den USA sind auch Saudi-Arabien und Ägypten wenig begeistert von der Vorstellung, der schiitische Hegemon der Region könnte zur Atommacht aufsteigen. Damit ist der Versuch Teherans gescheitert, den Konflikt als Machtkampf der freien islamischen Welt mit Israel darzustellen. Dass die Atomfrage ihre Brisanz auch aus dem iranisch-israelischen Verhältnis zieht, ist dennoch offensichtlich. Für Teheran ist das "zionistische Gebilde" der Staatsfeind Nummer eins.
Es gehört nicht nur zum Standardrepertoire iranischer Eliten, dem jüdischen Staat die Vernichtung zu prophezeien. Der Iran boykottiert Israel bei Sportveranstaltungen, weist israelische Hilfe wie nach dem Erdbeben 2003 ab - und unterstützt antisemitische Terrorgruppen. Der Waffenschmuggel ist zu einem Dauerscharmützel geworden. Israel fühlt sich vom iranischen Atomprogramm direkt bedroht. Israels Geheimdienste tun deshalb vieles, um das Atomprogramm zu sabotieren. Dennoch legt das offizielle Israel Wert darauf, keine militärische Eskalation anzustreben. "Israel wird die Welt diesmal nicht retten", teilen Politiker aller Lager in Anspielung auf die Bombardierung des irakischen Reaktors Osirak 1981 mit. Aber Israel wirbt für scharfe Sanktionen.
Auch die Entschlossenheit der USA wächst. Zumal der aktuelle Bericht der Internationalen Atomenergie-Behörde nahelegt, dass ein US-Geheimdienstbericht von 2007 danebenlag. Darin hieß es, der Iran könne frühestens 2016 die letzte Stufe zur Atomwaffenproduktion erklimmen. US-Vizepräsident Joe Biden drohte dem Iran nun am Freitag mit "wirklichen Konsequenzen".
China, das im UN-Sicherheitsrat Vetorecht hat, ist bisher nicht überzeugt, dass vom Iran eine Gefahr ausgeht, die größer ist als der Nutzen einer Kooperation. "Peking sieht den iranischen Einfluss im Mittleren Osten und Zentralasien als hilfreich für seine eigenen politischen, wirtschaftlichen und strategischen Ziele", so die Denkfabrik International Crisis Group. Auf solche Interessen hat sich der Iran bisher stets verlassen.































